„Mehr Frauen auf die Liste – gemeinsam Verantwortung übernehmen“

GRÜNE Augsburg Land - Workshop Mehr Frauen auf die Liste

Workshop in Stadtbergen bringt Hürden und Chancen für Frauen in der Kommunalpolitik auf den Punkt

Wie können wir mehr Frauen für die Kommunalpolitik gewinnen und Strukturen so verändern, dass
paritätische Listen auch zu paritätischer Vertretung führen?

Diese Frage stand im Mittelpunkt des Workshops „Mehr Frauen auf die Liste – gemeinsam Verantwortung übernehmen“, der Mitte September in Stadtbergen stattfand. Eingeladen haben die Sprecherinnen des Arbeitskreises Frauen, Anna und Anne-Christin. Schirmherrin der Veranstaltung war Maria Wißmiller, die den Abend eröffnete.

Maria Wißmiller -  Mehr Frauen auf die Liste

Ein starker Auftakt von Maria Wißmiller

Maria Wißmiller setzte gleich zu Beginn wichtige Impulse: Sie sprach über die Rolle von Frauen in der Politik und über die „gläsernen Decken“, die nach wie vor bestehen.

Männer werde oft mehr Kompetenz zugeschrieben, selbst wenn Frauen mit gleicher Qualifikation antreten. Auch wies sie auf die Diskrepanz hin, dass trotz paritätischer Listen am Ende meist mehr Männer gewählt werden.

Zudem machte sie die besonderen Auswirkungen von Klimathemen auf Frauen sichtbar und stellte die Frage, wie sich gesellschaftliche Rollenbilder auf politische Teilhabe auswirken.

Wissenschaftlicher Blick auf Strukturen

Die Referentin Dr. Mina Mittertrainer vertiefte diese Perspektive mit wissenschaftlichen Ergebnissen:
Ehrenamtliches Engagement ist zwischen Frauen und Männern zwar ähnlich hoch, wird jedoch in den Geschlechterrollen unterschiedlich verstanden und gelebt. Während Männer ihr Engagement oft
direkt mit Politik verbinden, hält Frauen die klassische Prägung durch Care-Arbeit häufig davon ab, zusätzliche Zeit in politische Ämter zu investieren.

Ihr Fazit war klar: Geschlechterparität in der Politik gelingt nur, wenn mehrere Ebenen zusammenspielen – strukturelles Umdenken in Abläufen und Rahmenbedingungen, die individuelle Ermutigung von Frauen, sich einzubringen, sowie eine intersektionale Inklusion, die unterschiedliche Lebensrealitäten berücksichtigt. Nur das Zusammenspiel dieser Ebenen führt zu echter
Geschlechterparität in der Politik.

Mina  Mittertrainer - Mehr Frauen auf die Lister
Praxisbeispiele - Mehr Frauen auf die Lister

Stimmen aus der Praxis

Besonders lebendig wurde der Abend durch die Praxisbeispiele.

Eine Teilnehmerin sprach bewusst nicht aus der Politik heraus, sondern stellte die Frage: „Muss man immer gleich ein Amt übernehmen – geht es nicht auch niederschwelliger?“

Eine junge Frau berichtete von ihren ersten Erfahrungen als Ortsverbandssprecherin und den Herausforderungen, die ständige Sichtbarkeit und die Bereitschaft, öffentlich Stellung zu beziehen, mit sich bringen.

Eine erfahrene Stadträtin zeigte wiederum, dass es mit starkem Rückhalt aus dem Umfeld möglich ist, Politik und Privatleben zu verbinden – auch wenn der oft raue Ton in Räten weiterhin eine Hürde darstellt.

Ergebnisse der Workshops

Im Anschluss wurden die Teilnehmer*innen selbst aktiv. In drei Gruppen diskutierten sie, wie
Kommunalpolitik, Partei und Räte so gestaltet werden können, dass mehr Frauen langfristig
mitarbeiten können.

Kommunalpolitik

  • Anpassung der Sitzungszeiten
  • Hybridsitzungen zur flexiblen Teilnahme
  • Kinderbetreuung während Sitzungen
  • Verbindliche Vertretungsregelungen
  • Hauptamtliche Bürgermeister*innen
  • Tandem-Duos für Studierende oder zeitlich Eingespannte
  • Flexible Wohnortregelungen für Studierende

Familienfreundlichkeit, Flexibilität und Professionalisierung sind Schlüssel, um die
Kommunalpolitik artraktiver zu machen.

Parteipolitik

  • Gezielte Ansprache junger Frauen
  • Mentor*innen-Programme für neue RäƟnnen
  • Effiziente, gut strukturierte Sitzungen
  • Treffen auch am Wochenende mit Kinderbetreuung
  • Weibliche Vorbilder sichtbar machen

Die Partei muss Strukturen schaffen, die Frauen aktiv fördern und langfristig binden.

Rahmenbedingungen im Rat

  • Kinderbetreuung und verlässliche Vertretungsregelungen
  • Digitale oder hybride Sitzungen
  • Konsequente Sitzungsleitung gegen Diskriminierung
  • Einführung verpflichtender Bürgerräte
  • Redezeit-Tools und klare Redezeitbegrenzungen

Strukturelle Veränderungen in Räten sind notwendig, um faire, diskriminierungsfreie und
familienfreundliche Arbeitsbedingungen zu schaffen.

Fazit

Der Workshop machte deutlich: Mehr Frauen in der Politik erfordert Veränderungen auf allen Ebenen
– von kommunalen Strukturen über parteiinterne Abläufe bis hin zu den Rahmenbedingungen in den
Räten.

Die Teilnehmenden nahmen konkrete Ideen mit, die in den Ortsverbänden weiterentwickelt
werden sollen. Am Ende stand die gemeinsame Überzeugung: Politik braucht Vielfalt – und es ist höchste Zeit, die Strukturen dafür zu schaffen.