Für Vielfalt beim Wohnen

Kapitel III aus unserem Kommunalwahlprogramm 2026 für den Landkreis Augsburg – hier geht es zum gesamten Programm.


Wohnen ist ein Grundbedürfnis. Es ist jedoch mehr als ein Dach über dem Kopf. Es ist der Ort, an dem wir Sicherheit finden, Gemeinschaft erleben und unser Leben selbstbestimmt gestalten – doch in immer mehr Städten und Dörfern wird es zum Luxusgut. Steigende Mieten, fehlender günstiger Wohnraum und eine wachsende Zahl obdachloser Menschen zeigen: Die Wohnungsfrage ist eine der drängendsten Herausforderungen. Wir Grüne setzen uns ein für ein Wohnen, das allen gerecht wird – bezahlbar, klimafreundlich und inklusiv. 

1. Bezahlbarer Wohnraum: Sozial. Klimaneutral. Für alle.

Die Wohnungsnot ist kein Schicksal. Kommunen müssen aktiv gestalten, mit klaren Vorgaben für bezahlbaren Wohnraum.

Wir fordern:

  • Der Landkreis baut selbst: Die kreiseigene Wohnungsbaugesellschaft muss gestärkt werden – mit mehr Personal, mehr Budget und dem klaren Auftrag, geförderten Wohnraum zu schaffen. Unser Ziel: Bis 2030 mindestens 1.000 neue Sozialwohnungen im Landkreis.
  • Genossenschaften, Baugemeinschaften und Mehrgenerationenwohnen fördern: Wer gemeinsam baut, spart Kosten und schafft Gemeinschaft. Wir unterstützen Genossenschaften, Mieter*innenvereine und alternative Wohnprojekte mit Beratung und Startfinanzierung.

2. Wohnen in Würde: Schutz vor Obdachlosigkeit und Diskriminierung

Wohnungslosigkeit ist kein individuelles Versagen, sondern ein strukturelles Problem. Besonders Frauen, Alleinerziehende und Menschen in prekären Verhältnissen sind betroffen – oft unsichtbar, weil sie bei Freund*innen unterkommen oder in Notunterkünften festsitzen. Das ist unwürdig. Wir schaffen klare Strukturen, um Obdachlosigkeit zu verhindern und Betroffene schnell zu unterstützen.

Wir setzen uns ein für:

  • Fachstelle Wohnen im Landratsamt: Eine zentrale Anlaufstelle bündelt Beratung zu Mietrecht, Schuldnerberatung, Suchthilfe und Sozialleistungen. Hier arbeiten Jobcenter, Wohnungsaufsicht und Mieter*innenberatung Hand in Hand – damit niemand durchs Raster fällt.
  • Online Wohnraumbörse: Auf unseren Antrag hin eingerichtet, ist diese ein wichtiger Baustein einer aktiven Wohnungspolitik im Landkreis. Diese muss weiter bekannt gemacht werden, damit Vermieter*innen von leerstehenden Wohnungen und Wohnungssuchende einander finden.
  • Sichere Unterkünfte für Frauen: Das „Casa Donna“ in Augsburg zeigt, wie wichtig frauenspezifische Hilfsangebote sind. Wir fordern ein ähnliches Projekt im Landkreis – mit langfristigen Perspektiven statt Notlösungen (siehe auch Berichtsantrag zur Situation obdachloser Frauen im Landkreis). Zudem brauchen Frauen, die Frauenhäuser verlassen müssen, gezielte Unterstützung bei der Wohnungssuche.
  • „Housing First“-Prinzip: Obdachlosigkeit überwinden heißt erstmal: eine Wohnung geben – ohne Vorbedingungen.Wir setzen uns für Modelle ein, bei denen Betroffene direkt in eigene Wohnungen ziehen und begleitend Unterstützung erhalten.

3. Vielfalt leben: Wohnen, das zu allen passt

Unser Leben verändert sich – und unser Wohnraum muss sich entsprechend anpassen. Junge Familien brauchen Platz, Ältere barrierefreie Zugänge, Studierende flexible WGs, und viele sehnen sich nach Gemeinschaft statt Einsamkeit. Wir schaffen Wohnformen, die diese Vielfalt abbilden – inklusiv, generationenübergreifend und zukunftsfähig.

Wir handeln:

  • Experimentierräume für neues Wohnen: Co-Housing-Projekte, ökologische Siedlungen oder Wohnen auf Zeit – wir unterstützen innovative Modelle mit Beratung und Startfinanzierung.
  • Ländliche Räume stärken: Auch in Dörfern braucht es bezahlbaren Wohnraum. Wir fördern die Umnutzung von Bauernhöfen zu Wohngemeinschaften, die Ansiedlung von Handwerk und Kultur in Ortskernen und mobile Beratungsangebote für Eigentümer*innen.
  • Leerstehende Häuser und Wohnungen müssen schnellstmöglich wieder genutzt werden. Leerstand ist oft unsichtbar, weil er nicht erfasst wird. Wir fordern daher ein kommunales Leerstandsregister, das alle ungenutzten Wohn- und Gewerbeimmobilien erfasst – öffentlich einsehbar ist und regelmäßig aktualisiert wird.

Unser Fazit: Die Wohnungsfrage ist eine der größten Herausforderungen. Doch sie ist lösbar – wenn wir mutig und kreativ handeln. Mit sozialem Wohnungsbau, klimagerechter Sanierung, starker Prävention gegen Obdachlosigkeit und vielfältigen Wohnformen schaffen wir einen Landkreis, in dem alle ein Zuhause finden.