Für Weitsicht in der Klimakrise

Kapitel I aus unserem Kommunalwahlprogramm 2026 für den Landkreis Augsburg – hier geht es zum gesamten Programm.


Die Klimakrise ist keine ferne Bedrohung – sie ist längst auch in unserem Landkreis angekommen. Hitzesommer, Starkregen und Hochwasser zeigen: Wir müssen heute die Weichen stellen, um morgen auch noch lebenswerte Gemeinden zu haben. Doch statt mutig voranzugehen, wird Klimaschutz oft als „Nice-to-have“-Aufgabe behandelt. Das ändern wir: Mit klaren Regeln, verbindlichen Zielen und einer Politik, die Klimaschutz als Chance begreift – für eine starke Region, saubere Luft, sauberes Wasser, Artenvielfalt und sichere Lebensgrundlagen.

1. Klimaschutz verbindlich machen: Jede Entscheidung zählt

Die Hochwasserkatastrophe 2024 hat gezeigt: Klimaschutz ist auch Schutz vor Extremwetter. Jeder Euro, den wir heute in Prävention investieren, spart morgen Millionen an Schäden – und rettet Leben. Klimaschutz darf kein Freiwilligenprogramm sein. Doch im Landkreis Augsburg wurde der Klimacheck – ein einfaches, aber wirksames Instrument – einfach abgeschafft. Wir kehren diese Rückwärtsentwicklung um und machen Klimaschutz zum verbindlichen Maßstab. Der Landkreis hat sich das Ziel gesetzt, dass die eigenen Liegenschaften und der eigene Betrieb bis 2030 klimaneutral werden. Doch ohne konkrete Schritte, Personal und regelmäßige Überprüfung bleibt das ein leeres Versprechen. Wir setzen auf einen ambitionierten Klimaschutz mit Plan – messbar und nachvollziehbar.

Unser Plan für echten Klimaschutz:

  • Wir führen den verbindlichen Klimacheck wieder ein – für jedeVorlage im Kreistag und in den Ausschüssen. Damit werden Klimafolgen sichtbar gemacht.
  • Zwei-jährlicher Klimabericht: Wir legen offen, wo wir stehen – mit messbaren Zielen und Fortschritten.
  • CO₂-Bilanz aktualisieren – als Grundlage für ein neues, ambitioniertes Klimaschutzkonzept, das die Pariser Ziele ernst nimmt.
  • Energiemanagement für alle Liegenschaften: Wir erfassen Strom-, Wärme- und Wasserverbrauch in Echtzeitund senken ihn durch gezielte Maßnahmen – von Solar auf Dächern, wassersparenden Technologien, stromsparenden Geräten und Beleuchtungen bis zur energetischen Sanierung.
  • Hohe Energieeffizienz bei landkreiseigenen Liegenschaften: Wir sanieren nach höchsten Effizienzstandards (KfW40 oder besser), und kombinieren jede Maßnahmen mit Photovoltaik oder Solarthermie. Wer heute noch in fossile Heizungen investiert, verschwendet Geld – und Zeit, die wir nicht haben.
  • Konsequente Abkehr von fossilen Energien: Sofortstopp für alle geplanten Öl- und Gasbohrungen im Landkreis. Keine Verlängerung von bestehenden Konzessionen, stattdessen beschleunigter Ausbau erneuerbarer Energien und transparente Bürger*innenbeteiligung, damit diese über die Energiezukunft ihrer Region mitentscheiden und davon profitieren.

2. Klimaanpassung: Unsere Region widerstandsfähig machen

Die Klimakrise ist da – und sie verändert unseren Alltag. Hitzetage belasten die Gesundheit, Starkregen zerstört Existenzen und Trockenperioden gefährden die Landwirtschaft. Doch statt nur auf Katastrophen zu reagieren, gestalten wir den Landkreis aktiv klimaresilient. Mit mehr Grün, intelligentem Wassermanagement und naturnahen Lösungen, die Ökologie und Schutz verbinden.

Unsere Maßnahmen:

  • Mehr Grün, weniger Beton:
    • Dach- und Fassadenbegrünung als Standard: Jedes neue oder generalsanierte Gebäude im Eigentum des Landkreises wird begrünt – das kühlt, speichert Wasser und schafft Lebensraum für Insekten.
    • Entsiegelungsoffensive: Wir prüfen bei jedem Bauvorhaben des Landkreises, wo Flächen geöffnet oder durchlässig gestaltet werden können und schaffen auch Anreize für Bürger*innen, dies auch auf ihrem Privatgrund zu tun. Parkplätze? Höfe? Wege? Jeder Quadratmeter zählt!
  • Ökologischer Waldumbau für klimastabile Wälder: Unsere Wälder sind Lebensraum, Wasserspeicher und Klimaretter in einem. Doch Trockenheit und Borkenkäfer setzen ihnen zu. Wir unterstützen Waldbesitzer*innen beim ökologischen Waldumbau, der Mischwälder fördert und Naturwälder vernetzt – als „grüne Lebensadern“ für Tiere und Pflanzen.
  • Wasser klug nutzen, statt es wegzuleiten:
    • Ein kreisweites Konzept zum Wassermanagement: Zusammen mit den Kommunen leisten wirStarkregenvorsorge, Grundwasserschutz und Wasserrückhaltung in der Landschaft.
    • Dezentrales Regenwassermanagement: Bei Neubauten und Sanierungen des Landkreises wird Regenwasser vor Ort zurückgehalten – durch Zisternen, Versickerungsflächen oder begrünte Mulden.
    • Anreize für Private und Kommunen: Wir fördern die Nutzung von Regenwasser in Gärten und Betrieben mit Zuschüssen für Zisternen oder wasserdurchlässige Wege.
    • Trinkwasser für alle: Eine App mit öffentlichen Trinkbrunnen hilft an Hitzetagen – und zeigt, wie wir Ressourcen teilen.

3. Hochwasserschutz: Vorsorge statt Reparatur

Flüsse brauchen Raum, um Hochwasser zu bremsen. Doch zu oft werden Auen zugeschüttet oder Schutzgebiete bebaut – mit fatalen Folgen. 

Wir fordern:

  • Keine Neubauten in Hochwasserrisikogebieten! Kommunen müssen Bebauungspläne streng prüfen und der Landkreis als Baugenehmigungsbehörde Zweifelsfälle ablehnen.
  • Von der Bayerischen Staatsregierung mehr Personal für das Wasserwirtschaftsamt, damit sie Gemeinden besser beraten können – von Renaturierungen bis zu Rückhaltebecken.
  • Zweckverbände stärken, die über Gemeindegrenzen hinweg Schutzkonzepte umsetzen, denn gemeinsame Lösungen wie Rückhaltebecken oder renaturierte Auen sind effizienter als Einzelkämpfertum.
  • Ein landkreisweites Hochwasserschutzprogramm, das Kommunen verbindet, Risikogebiete priorisiert und Bürger*innen einbindet.
  • Für lebendige Flüsse und Bäche:
    • Ufersäume retten und pflegen, Arten schützen: Wir setzen uns für intakte Uferbewuchsstreifen an allen Gewässern ein – als Klimaschützer, Artenretter und natürliche Hochwasserbremsen.
    • Kooperation mit Landwirt*innen – wir unterstützen Agroforst-Systeme und humusaufbauende Bewirtschaftung, die Wasser im Boden halten und gleichzeitig die Artenvielfalt fördern.
    • Natürlicher Hochwasserschutz – wir setzen auf natürlichen Hochwasserschutz, der technische Lösungen mit ökologischen Ansätzen verbindet, schaffen Überschwemmungsgebiete an Flüssen und Schwammlandschaften wie Wiesen und wiedervernässte Moore, entsiegeln Flächen statt sie zu versiegeln
    • Renaturierung vorantreiben: An Schmutter, Zusam, Singold und anderen Gewässern schaffen wir Auen als Rückhalteräume für Hochwasser und wertvolle Biotope.

4. Zusammen für die Zukunft: Klimaschutz als Gemeinschaftsaufgabe

Die Klimakrise ist die größte Herausforderung unserer Zeit – aber auch die größte Chance, unsere Region zukunftsfest, gerecht und lebenswert zu gestalten. Doch statt voranzugehen, sieht sich der Landkreis aktuell in der finanziellen Notlage und sendet das Signal: „Klimaschutz? Optional.“ Das untergräbt nicht nur das Vertrauen in die Politik – es bremst auch notwendige Innovationen und Investitionen. Wir fordern eine bessere finanzielle Ausstattung des Landkreises für die Arbeit im Klimaschutz.

Wir fordern:

  • Klimaschutz muss Pflichtaufgabe werden! Mit entsprechender finanziellerAusstattung durch den Freistaat Bayern.
  • Mehr Personal für den Klimaschutz: Eine zusätzliche Vollzeitstelle entlastet das engagierte Team und beschleunigt die Umsetzung – von der Energiewende bis zur Anpassung.
  • Klimabildung für alle: Wir stärken Umweltbildung in Kommunen, Schulen, Betrieben und Vereinen – mit Workshops und Aktionswochen.
  • Vorreiter sein – und andere mitnehmen: Wir machen den Landkreis Augsburg zur Modellregion für Klimaschutz, in der erneuerbare Energien, Naturschutz und nachhaltige Wirtschaft Hand in Hand gehen.

5. Energie vor Ort: Sicher, sauber, sozial

Energie muss bezahlbar, sicher und ökologisch sein – und sie muss von hier kommen. Wir machen unseren Landkreis zur Vorreiterregion der Energiewende: mit Windrädern, die Strom statt CO₂ erzeugen, mit Solaranlagen auf Dächern und Äckern, mit Wärme, die nicht die Umwelt aufheizt, sondern unsere Häuser. Denn wer selbst Energie erzeugt, macht sich unabhängig von teuren Importen und schmutzigen Großkraftwerken. Gemeinsam gestalten wir eine Zukunft, in der alle profitieren, auch das Klima.

Wir setzen auf Tempo und Fairness:

  • 1,8 % der Kreisfläche müssen bis 2027 für Windenergie reserviert werden – ohne weitere Verzögerungen. Die Flächen sind da, jetzt braucht es politischen Willen.
  • Ausbau der Windenergie im Einklang mit der Natur: Der Naturpark Augsburg – Westliche Wälder soll nicht pauschal von Windenergie-Vorranggebieten ausgeschlossen werden. Wir sind für eine sorgfältigen Abwägung und sprechen uns für eine Zonierung innerhalb des Naturparks aus, die festlegt, wo Windenergieanlagen möglich sind und wo nicht.
  • Bürger*innen einbinden – Profite gerecht verteilen: Windräder dürfen nicht über die Köpfe der Menschen hinweg geplant werden. Echte Teilhabe und Information schafft Akzeptanz – und faire Chancen für alle.
  • Unternehmen mitnehmen: Energieintensive Betriebe erhalten – wo sinnvoll – Direktanschlüsse an Windparks, für stabile Preise und eine saubere Bilanz.
  • Wirtschaftliche Impulse für die Region: Die Windkraftanlagen werden möglichst vonlokalen Betrieben gebaut, gewartet und betrieben. Die Gewerbesteuereinnahmen verbleiben in den Standortkommunen und stärken deren Finanzkraft.
  • Wärme, Sonne, Speicher – Die Energiewende ganzheitlich denken: Windkraft allein reicht nicht. Wir packen die Wärmewende an und machen den Landkreis zur Solarregion, fördern Agri-Photovoltaik sowie den Ausbau von Energiespeichern und intelligenten Netzen, um die schwankende Einspeisung erneuerbarer Energien auszugleichen.
  • Agri-Photovoltaik fördern: Doppelt genutzt ist halb so viel Fläche verbraucht. Äcker können gleichzeitig Strom und Nahrung liefern.

Unser Ziel: Bis 2030 decken Erneuerbare den Großteil unseres Strombedarfs im Landkreis – mit Wertschöpfung, die in der Region bleibt.

6. Bio-Regionen stärken: Gut für Bäuer*innen, gut für alle

Landwirt*innen stehen vor riesigen Herausforderungen: Sie sollen ernähren, das Klima schützen und von ihrer Arbeit gut leben können. Wir unterstützen Bäuer*innen beim Umbau zu einer Landwirtschaft, die Böden, Wasser und Artenvielfalt stärkt, undsetzen uns für eine Agrarwende ein, die sie fair entlohnt und uns alle ernährt – heute und morgen.

Wir handeln:

  • Öko-Modellregion fortsetzen: Die Öko-Modellregion Stadt.Land.Augsburg ist ein Erfolgsmodell. Wir kämpfen für ihre Verlängerung und mehr Unterstützung für Bio-Bäuer*innen und regionale Vermarktung.
  • 100% Öko:  In Kantinen und Schulen, bei Sitzungen, Festen, Empfängen und Geschenken des Landkreises setzen wir auf Bio, regional und fair, um regionale Bio-Betriebe zu stärken – als Vorbild für alle, bis 2030.
  • Blühstreifen, Ackerrandstreifen und Humusaufbau werden gefördert: Wer auf regenerative Methoden umstellt, erhält Unterstützung – etwa durch ein landkreisweites Programm für nachhaltige Düngung, das Böden schützt und Grundwasser sauber hält.

7. Artenvielfalt retten: Jeder Quadratmeter zählt

Jede zweite Biene, jeder dritte Vogel ist verschwunden – Folge von Monokulturen und versiegelten Flächen. Wir bremsen diesen Verlust – mit einem Plan für mehr Leben, mit einer Landwirtschaft, die Natur schützt, mit Kommunen, die Grünflächen bewahren und aufwerten, und mit Bürger*innen, die gemeinsam handeln. Jetzt.

Das gehen wir an: Vielfalt statt Einfalt

  • Flächenverbrauch halbieren durch nachhaltige Regionalplanung: Bei Gewerbegebieten gilt „Höhe vor Breite“ – wir bauen eher in die Höhe, nicht in die letzte grüne Wiese.
  • Biotop-Netzwerk knüpfen: Entlang von Bächen, Feldrändern und Straßen schaffen wir „Grüne Korridore“ mit Blühstreifen, Hecken und Tümpeln, damit Tiere und Pflanzen wandern können.
  • Keine Kürzungen für den Landschaftspflegeverband Landkreis Augsburg e.V.! Er ist zentral für Artenschutz – von Streuobstwiesen bis Biotopverbünde.
  • Straßenlaternen werden insektenfreundlich: Kreisstraßen stellen bis 2027 auf warmweiße LED-Beleuchtung um – insektenfreundlich und energieeffizient.